Liebe Leserinnen und Leser,
während wirtschaftliche Unsicherheiten und ein wachsender Fachkräftebedarf unseren Alltag prägen, stehen wir aufgrund der technologischen Entwicklungen, vor allem im Bereich der künstlichen Intelligenz, vor großen Veränderungen in der Arbeitswelt. Gerade jetzt kommen die Möglichkeiten, Abläufe neu zu denken und Prozesse zu optimieren. Gleichzeitig beobachten wir, dass Eigeninitiative und die Bereitschaft zur persönlichen Verantwortungsübernahme in unserer Gesellschaft grundsätzlich abnehmen.
Chancen zur Weiterentwicklung werden nicht immer erkannt oder genutzt. Wir erleben zunehmend, dass Risiken grundsätzlich gescheut werden und Hindernisse eher hingenommen werden, statt sie gemeinsam und eigeninitiativ zu überwinden. Diese fehlende Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme zeigt sich auch in der aktuellen politischen Lage unseres Landes, in der notwendige Entscheidungen häufig nur zögerlich getroffen werden. Dies führt zu Frust, Stimmenzuwächsen für politische Heilsbringer und macht es für Gesellschaft und Unternehmen schwieriger, Chancen zu nutzen und Entwicklungen aktiv voranzutreiben.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet nicht, alles allein bewältigen zu müssen. Es bedeutet, den eigenen Beitrag zu erkennen, Entscheidungen anzustoßen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Gerade für uns im ausführenden Handwerk ist diese Haltung unverzichtbar. Bei der Projektierung von technischen Anlagen, auf unseren Baustellen und im täglichen Kontakt mit Kunden entstehen gute Ergebnisse dort, wo Menschen mitdenken, Fragen stellen und Verantwortung für ihre Aufgaben übernehmen. Eigeninitiative ist dabei kein Einzelkämpfertum, sondern die Grundlage für verlässliche Zusammenarbeit.
Umso mehr freut uns die aktuelle Entwicklung bei den Ausbildungszahlen im Handwerk. Von Januar bis Juni 2026 wurden bundesweit knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge eingetragen, fast 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit steigen die Neuvertragszahlen bei handwerklichen Berufen bereits im vierten Jahr in Folge – und das gegen den allgemeinen Trend. Dieser Zuwachs ist ein ermutigendes Signal: Junge Menschen entscheiden sich bewusst für einen Beruf, der praktisch, zukunftssicher und vielfältig ist.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Die zunehmende Bedeutung der KI macht deutlich, dass technische Fähigkeiten, handwerkliches Können und Problemlösungskompetenz auch künftig gebraucht werden. Imagekampagnen haben das Bild des Handwerks verbessert, Verdienst- und Karrierechancen entwickeln sich positiv. Und während Teile der Industrie ihre Ausbildungsangebote reduzieren, bleibt das Handwerk ein verlässlicher Partner für den Einstieg ins Berufsleben. Diese Entwicklung verdient Anerkennung – und zugleich gute Rahmenbedingungen. Dazu zählen wir sowohl Investitionen in moderne Ausbildungsstätten wie unsere Talentschmiede als auch Unterstützungsangebote für junge Menschen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen.
Als familiengeführte Unternehmensgruppe sehen wir Ausbildung als langfristige Verpflichtung und als Investition in unsere gemeinsame Zukunft. Wir wollen jungen Menschen nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch Zutrauen, Orientierung und die Möglichkeit geben, sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Das beinhaltet, Verantwortung zu übertragen, Leistungen anzuerkennen und Fehler als Lernchancen zu verstehen. Ebenso wichtig ist es, dass Auszubildende ihre Möglichkeiten aktiv nutzen und ihren Weg mitgestalten. Wir können Entwicklung und Initiative nicht verordnen, aber wir können Räume dafür schaffen.
Ihre Geschäftsführung
Bildquelle: Jörg Struwe – PICselWeb